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Einführung in die Arbeit von Gabriele Hopf- Martin (1)

durch Frau Dr.Gabriele Uelsberg (2) stellvertretende Leiterin
des Ludwig-Forums, Aachen


Ausstellung im September 1992 im Haus Spieß, Erkelenz

Die Auseinandersetzung mit Kunst ist in entscheidender Weise auch die Auseinandersetzung mit den Ideen und der Gedankenwelt eines anderen Menschen.
Der Mensch Gabriele Hopf- Martin, der seine Gedanken, seine Anschauungen und seine Gefühle in seiner Kunst darbietet, ist eine Frau. Dies ist wichtig, da sich G. H.- M. auch künstlerisch über ihr Frausein definiert und dies in ihren Bildern zum Ausdruck bringt. Das hat nichts mit feministischer Kunst zu tun, auch nichts mit dem Tatbestand, dass eine Kunst entstehen soll, die
anders ist als die klassische Kunst der Männer. Aber es ist eine Kunst, die sich mit der Person der Künstlerin auseinandersetzt und ihrem Verhältnis zur Umwelt. Sie bringt in ihren Bildern ein, was sie sieht und fühlt.

Zu ihren Arbeiten spürt G.H.-M verschiedenen Aspekten nach, die sie miteinander verknüpft. Expressive Formen, Anklänge an Figürliches, an Körper und kräftige Farben treten in verschiedenen Kombinationen in ihren Bildern auf und bedingen sich gegenseitig. Der Bogen spannt sich von der Abstraktion bis hin zum Portrait, wobei das Portrait nicht getreulich abbildet oder versucht, die äußere Hülle des Dargestellten wiederzugeben, sondern ihre Portraithaftigkeit bedeutet Wesenhaftigkeit, bedeutet das Einfangen eines Menschen im Studium seines Charakters, in seinen Gefühlen, seinem Ausdruck, in seiner Situation, in der er sich gerade befindet.

Personen und Portraits geraten so zu Symbolen, von Haltungen und Situationen. Die „stabile Hockende“, die „Liegende“ sind denn auch weniger Person, als Metapher für sich behaupten, sich darbieten, Selbstbewusstsein- vor allem als Frau. Die starke Präsenz der „Hockenden“, die sich unter anderem in ihrer starken Farbigkeit und der hohen Verdichtung der Formen ausdrückt scheint einen geradezu anzuspringen. Es ist die Frau dargestellt in einer Position, in der sie auf dem Po hockt, ihre Beine fest umfasst, so als ob sie gesagt hätte „ich sitze jetzt hier und keinen Schritt weiter“. Die Präsenz der Darstellung ist fordernd, fast aggressiv in ihrer Setzung und Behauptung. Dennoch ist diese Gestalt in ihrer formalen Ausformung fast symmetrisch aufgebaut und harmonisch geschlossen. Die Gegen-sätze, die in dieser Figur miteinander vermittelt sind, sind Gegensätze, die sich in vielen der Bilder wiederfinden, die G.H.-M. gestaltet hat.
Bestimmt wird der Gegensatz stets von starken Farbkontrasten, so rot-blau, dem klassischen Kontrast zwischen warm und kalt. Der Symbolwert der Farben spielt dabei auch eine sehr große Rolle. Rot, die Farbe der Wärme, der Emotionen, des Femininen; blau , die Farbe des Kühlen, der Rationalität, des sich Zurückziehens und Geistigen. Blau und rot ist aber auch der Gegensatz
zwischen männlich und weiblich, wobei G.H.-M. diesen Gegensatz weniger als einen festgesetzten biologischen Wert versteht, sondern als primären Gegensatz alles Menschlichen.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist es auch, dass die Farbpalette der Künstlerin sich aus den drei Grundfarben, ergänzt nur durch weiß, zusammensetzt und sie so die gesamte Farbigkeit des Bildes selbst ermischt.

Die Gegensatzpaare, die G.H.-M. in ihren Bildern vermittelt, die sowohl Formen wie Farben, wie expressive Ausdrücke beinhalten, spiegeln die männlichen und weiblichen Seiten eines jeden Individuums, die weicheren sowie die härteren, die geliebteren wie die ungeliebteren je nach Wertung und Situation. Die Kombinationen der Bilder mit ihren sich gegenseitig beantwortenden Formen geben den Bildern eine Spannung, die das Auge belebt, so dass sich hier immer wieder eine Harmonie einstellt, die aus Vitalität entsteht und nicht aus Nivellierung.

Besonders deutlich wird dies bei den Arbeiten, deren Figürlichkeit stärker in den Hintergrund tritt und die sich zum Teil ganz abstrakt darstellen. Sie zeigen Momente farbiger Expression, die Gefühle und Befindlichkeiten zum Ausdruck bringen. Diese Bilder sind spontan aus dem Malen selbst heraus entwickelt, ohne Vorzeichnung angelegt, ohne Skizzen und schaffen mit Farben und Formen Atmosphären von Gefühlen, die sich dem Betrachter ganz aktuell aus der Betrachtung heraus erschließen.

Wenige Bilder gibt es auch, die versuchen, diesen Spannungsbogen zwischen Form und Farbe fast analytisch zu lösen und diesen auseinander zu dividieren. Dies sind Arbeiten, die eine fast gestische Zeichensprache verbinden mit ganz geometrischen abstrakten Formen, Formen, die sich auflösen, fast wie eine psychische Schrift gestaltet, im Gegengewicht zu klar umrissenen Farbrechtecken, die G.H.-M. wie Gewichte an den Rand der Komposition setzt, um ein Gleichgewicht herzustellen. Das Gleichgewicht entsteht hier zum einen durch die Größe der Farb-flächen, zum anderen durch das Gewicht, das jede einzelne Farbe in seinem Farbwert hat.
Ein Gleichgewicht entsteht jedoch auch durch die Kombination von psychisch vitalen informellen Zeichenstrukturen und scheinbar rationalen kühlen rechteckigen Farbwerten.

Die Gewichtung in den Arbeiten, das ist es, was Gabriele Hopf- Martin wichtig ist. Vor allen Dingen versteht sie es, Farbe zu gewichten. Die Farbe in ihrer Bedeutung, in ihrer Gewichtigkeit werden so gesetzt, dass keines der Bilder auseinander zu brechen droht, sondern dass in den Arbeiten die Schwere der Farben in einem Gleichgewicht stehen und dass ein Rot nie über ein Blau und ein Blau nie über ein Gelb dominieren kann. Ebenso verhält es sich mit den Formen und abstrakten Linien der Bilder, die stets zur Ausgewogenheit der Komposition hin orientiert sind.

Aachen, September 1992

Zu (1) : 1995 hat Gabriele Hopf-Martin wieder ihren Geburtsnamen Gabriele Martin angenommen.
Zu (2) : Frau Dr. Gabriele Uelsberg leitet seit 1994 das Städtische Kunstmuseum „Alte Post“ in Mülheim/ Ruhr.

Frau Dr. Gabriele Uelsberg ist seit 2004 Leiterin des Rheinischen Landesmuseums in Bonn.

zum Herunterladen:

Einführung in die Arbeit von Gabriele Martin durch Dr. Gabriele Uelsberg   

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