Thomas Kubisch: Einführung in die Arbeit von Gabriele Martin
Anlass: Ausstellungseröffnung am 8. März 2004
Künstlergilde Buslat, Schloß Bauschlott/ Neulingen
Wer den einen oder anderen Ausstellungsraum betritt, wird über
seine Augen von der Farbe empfangen. Die Arbeiten von Gabriele
Martin, der meine Betrachtung gilt, sind im Saal gegenüber
zu sehen. Der helle Anstrich des Raums reflektiert die kräftigen
Farbtöne die die Künstlerin für ihre Bilder
gewählt hat, um ein Vielfaches.
Farben sind Strahlungskräfte, Energien, die auf uns
in positiver oder negativer Art einwirken, ob wir uns dessen
bewusst sind oder nicht.
Farbe ist Leben, denn eine Welt ohne Farbe erscheint uns
wie tot.
Farben sind Ur- Ideen, Kinder des uranfänglichen Lichtes
und seines Gegenparts, der farblosen Dunkelheit. Wie die
Flamme das Licht, so erzeugt das Licht die Farben. Farben
sind Kinder des Lichtes, und Licht ist die Mutter der Farben.
Das Licht, dieses Urphänomen der Welt, offenbart uns
in den Farben den Geist und die lebendige Seele dieser Welt.
„Mit dem Farbgleichgewicht malerische Fragen lösen,
zum Beispiel –rote Behauptung vor blauem Raum-„ so
beschreibt die Künstlerin , neben anderen Arbeitsprozessen,
den Aufbau ihrer Arbeit.
Wer wie Gabriele Martin von einem Farbgleichgewicht in der
Harmonie der Farben spricht, meint damit das Zusammenwirken
von zwei oder mehreren Farben. Und nur wer in der Lage ist,
den Begriff der Farbharmonie aus der subjektiv bedingten
Gefühlslage in eine objektive Gesetzmäßigkeit
herauszuheben, kommt der künstlerischen Bedeutung nahe.
Harmonie heißt Gleichgewicht, heißt Symmetrie
der Kräfte.
Ein Gleichgewicht der Farbverteilung herbeizuführen,
ist hierbei eine wesentliche Kompositionsaufgabe.
Immer wieder finden wir in den Bildern Gabriele Martins
die Farbe Rot in ihren vielfältig vermischten Abstufungen,
die sich den anderen Farben gegenüberstellt. Oft misst
sich das Rot mit dem Blau. Zwei souverän konträre
Farbkräfte, die sich gegenüberliegend oder zum
Teil annähernd- beeinflussen.
Eine gewollte „Konfrontation“ von „Warm“ und „Kalt“ entsteht,
die die Künstlerin durch eine entsprechende Gewichtung
der Farbfelder ausgleicht.
Grün hat in den Bildern fast ein suchendes Bestreben
und bewirkt dadurch einen belebenden Bildrhythmus zu den übrigen
Farbdarlegungen.
Zum Farbspiel kommt die Konzentration des Farbauftrags,
der sich teilweise bis zum pastosen Auftrag verdichtet, um
diesem eine Struktur zu geben und sich damit optisch über
die vorhandene Fläche hinaus auszudehnen. In Übereinstimmung
steht die Geschmeidigkeit des Farbauftrages, der die informellen
Flächen in verschiedene miteinander korrespondierende
Aussagen aufteilt. Auf rechtwinkelige Auslegungen der Farbe
wurde so gut wie verzichtet, lediglich der Bildrand bildet
einen Kontrast zu den weichen Formenstrukturen.
Eine ständige Korrektur und Abwägung während
des Arbeitsprozesses, welche gewollt für den Betrachter
sichtbar bleibt ! ergeben einen besonderen Reiz und vielleicht
auch eine Stabilisierung. Manche Bilder wurden während
des Malens gedreht, um so die Farben behutsam einander anzunähern,
die Farbformen aneinanderzureihen.
Oft ist der Kreis - das Rund – in ein besonders konzentriertes
Farbenspiel, den Betrachter fast mitnehmend, eingebunden.
In der Komposition des Malens zu bleiben bedeutet: sich
dem ständigen Kampf gegen die Verflüchtigung zum
einen, und gegen Verfestigung von Farbe und Form zum anderen,
zu stellen.
Die Malerei kann somit als Verdichtung der Alltagsstimmung
angesehen werden. In der Malerei kommt das Seelentum zu voller
Klarheit, wenn das Werk in sich abgeschlossen ist. Wie es
auch Cezanne auszudrücken verstand:
Zitat:
„
Die Empfindung ist die Grundlage aller Malerei. Der Grad
der persönlichen Ergriffenheit, der Beobachtungsfähigkeit
des Charakters.“
Frau Martin bringt in ihren Bildern ein, was sie sieht.
Ihre Arbeiten sind Spiegelungen ihrer Empfindungen, Kolorit
ihrer Gefühle. Hier liegt die Stärke der Künstlerin,
die es weiter auszubauen gilt- zur vollkommenen gelösten
Harmonie.
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