[13.02.2004,
Augabe 07/2004] Mitteilungsblatt - Amtsblatt der Marktgemeinde
Herxheim
Gabriele
Martin - Expressive Malerei

Am vergangenen Sonntag, den 08. Februar, wurde in der Villa
Wieser die Ausstellung "Expressive Malerei" der
Künstlerin Gabriele Martin eröffnet.
Erster Beigeordneter Alois Dümler begrüßt
die Gäste und übergab das Wort an Dr. Matthias
Brück, der die Einführung hielt.
Meine Damen und Herren,
Sie wissen es längst alle: den Deutschen geht es schlecht:
Pisa lässt grüßen, die Arbeitslosigkeit kann
nur noch statistisch reduziert werden, die FC Bayern hat
abgebaut...
Kurzum, es sieht trostlos aus. Nur in einem Fach - so hat
man im weltweiten Vergleich festgestellt - sind wir nach
wie vor weltmeisterlich: im Klagen, im souverän zur
Schau getragenen Pessimismus!
Und in dieser misslichen Situation begegnet Ihnen mit Gabriele
Martin eine Künstlerin, die schon in ihrer Farbintensität,
in ihrem Begreifen von Malerei signalisiert: es geht auch
anders!
Doch, um Missverständnissen gleich vorzubeugen: diese
Künstlerin offeriert Ihnen keinen platten, reklamefähigen
Optimismus, vielmehr Formen des sinnvollen Bejahens von Mensch
und Welt, ohne deshalb ins Verlogen-Paradiesische abzugleiten.
So, als sollte sie de ironischen Einwurf von Stanislaw Lem
unterstreichen: "Wer den Himmel auf Erden sucht, hat
im Geographie-Unterricht geschlafen".
Deshalb, meine Damen und Herren,
sucht Gabriele Martin dort, wo eigentlich jeder von uns beginnen
müsste: bei sich selbst ... in ihrem Erleben und Fühlen,
das sie harmonisch-dialogisch in Farben und Formen umzusetzen
weiß.
Ganz im Gegensatz zur überwiegenden Darstellung des
Menschen, besonders der Frau heute in den Bildenden Künsten
wie der Photographie, deren Praxis sich im Vorzeigen bis
hin zum Degradieren der Person als Objekt dokumentiert, wählt
diese Künstlerin einen gänzlich anderen Weg!
Sie verzichtet auf eine portraithaft-abbildende Darstellung,
vermeidet ein realistisch-individuelles Wiedergeben, um mit
ihrer speziellen malerischen Methode - der "expressiven
Malerei" - zum Wesenhaften vorzudringen.
Nicht die Oberfläche, das für jeden Sichtbare,
interessiert diese Künstlerin, vielmehr das Spiegeln
von Welten, von Innen-Welten.
Das gelingt ihr - eben nicht auf realistisch-naturalistische
Art, sondern in einer Weise von fortschreitender Abstraktion,
in der das Gestalthafte in Farbkombinationen, in einem regelrechten
Farbfühlen aufgeht.
Formal ereignet sich das häufig durch einen breiten,
vehementen Pinselstrich mit beinahe haptischen Qualitäten.
Schichten können sich überlagern, werden lokal überraschend
transparent.
Nun meine Damen und Herren,
gerade durch diese Art des Komponierens gewinnen diese Exponate
eine direkt-indirekte Bewegung, eine zum Teil faszinierende
Tiefe - gerade weil eine oft dominant scheinende Flächigkeit
immer wieder durch lichte Partien relativiert werden kann.
Diese Bewegung nun äußert sich darüber hinaus
ebenso als innere Spannung: Farbkontraste wie das klassische
Rot-Blau als symbolische Setzung für Wärme, Geborgenheit,
Weiblichkeit und Gefühl einerseits und das als männlich
vermutete Gegenstück kühler Rationalität,
Distanz und Geistigkeit, werden nicht zu einem "feministischen
Aufruf".
Im Gegenteil: so wie Yin und Yang seit Ewigkeiten in der
chinesischen Philosophie das Sowohl-als-auch der Gegensätze
im einzelnen Menschen formulierten, fügt Gabriele Martin
diese Farbsymbolik ihrer Exponate zu offenen Synthesen.
Sie können dieses künstlerische Konzept in Arbeiten
wie "zweiseitig", "apfelartig" oder auch "stabile
Hocklage" nachvollziehen. Stets werden sogenannte Widersprüche
erhellt, bleiben jedoch nie in einer starren Gegensätzlichkeit
stehen, sondern verwandeln sich in übergreifende Harmonien.
Ausdruck einer positiven Weltsicht, die bekanntlich heute
fast schon Seltenheitswert genießen dürfte.
In einigen Exponaten wir "Rote Behauptung vor blauem
Raum" scheinen die Farben personifiziert zu werden,
interpretieren nicht länger eine spezielle, menschliche
Besinnlichkeit, sondern transzendieren sie spielerisch in
den abstrakten Raum.
Unabhängig davon dürften sie - ob kleines oder
gewichtiges Format - leicht spüren, dass in jedem dieser
Exponate eine ungebrochene Energie, eine Vitalität Bild
geworden ist, die man schlicht als heitere Zuversicht, als
Lebensfreude eben erfahren darf.
Nun, meine Damen und Herren, teilen Sie doch dieses Bejahen
mit Gabriele Martin, nehmen Sie sich ein Werk mit nach Hause
- gewissermaßen vorbeugend bis zur nächsten Reform...
Zum Herunterladen:
Zeitungsartikel "Gabriele Martin -
Expressive Malerei"
Download
PDF (651 Kb)
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